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Reports, Vermerke, Aktennotizen - alles überflüssig: Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern!

veröffentlicht am 06.05.2009 unter Unternehmenskommunikation
„Vertrauen“ bleibt in der Unternehmenspraxis häufig ein leeres Wort. Dabei ist Vertrauen das  Erste, worauf es im Unternehmen ankommt. Das gilt ganz besonders für die Marketingabteilung.  Denn wie soll ein kreatives Miteinander entstehen, wenn der Umgang verkrampft ist - und Vertrauen fehlt? 

Und vor allem: Womit möchten Sie sich als Marketingleiter lieber beschäftigen? Mit  Kampagnen, mit kreativen Ideen, mit Strategien und spannenden Projekten - oder mit 1.000  Aktennotizen und Reports?
Vertrauen ist die Basis von Führung
Sich führen lassen heißt, sich jemandem anzuvertrauen. Alle  wesentlichen Initiativen können nur durch dieses solide Fundament der Mitarbeiterführung erfolgreich sein. Aber: Sie können Vertrauen nicht befehlen. Vor allem dann nicht, wenn Sie  bislang „kleinlich“ gehandelt und Ihren Mitarbeitern keinen Freiraum gelassen haben!

Die  Erfolgstrategie - für Sie UND Ihre Mitarbeiter
Sparen Sie sich Misstrauen, ausgefeilte Kontrollsysteme und Prämien. Nehmen Sie sich zurück.  Schaffen Sie Ihren Mitarbeitern Freiräume. Erkennen Sie, dass Vertrauen wirtschaftlichen (hier  auch kreativen) Nutzen bringt und „sich rechnet“. So können Sie Werte schaffen, die ohne  Vertrauen ungehoben bleiben.

Wertvolle Hilfe auf dem Weg hierhin bietet der Autor Reinhard K. Sprenger, dessen wesentlichen  Beobachtungen ich hier für Sie zusammenfasse. Prüfen Sie am besten heute noch heute, wo Sie Mitarbeiter durch Ihre Kontrollen bisher eingeengt haben. Fragen Sie sich, wie Sie durch deren  Abbau das Arbeiten erleichtern können.

Gewähren Sie Freiheit
Vertrauen heißt: „Ich bin bereit, weniger zu kontrollieren.“ Nicht wenige Marketingverantwortliche  meinen aber: „Dieser Mitarbeiter wird mich möglicherweise hintergehen, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergibt.“ Indem Sie sich entschließen, einem Risiko, das am Anfang noch  gering sein mag, durch eine Sicherheitsmaßnahme abzuhelfen, opfern Sie ein Stück Vertrauen. 

Auf dem dann erreichten niedrigen Vertrauensniveau wird jeder Anlass Grund zu verschärften Sicherheitsforderungen. Das Vertrauen schwindet noch mehr. Der Vorgang wird von Ihrem  Mitarbeiter als Vertrauensentzug erlebt. Dabei führt er gar nichts Unlauteres im Schilde. Er sucht  nur Vertrauen und erwartet, dass Sie ihn wohlwollend betrachten und für kompetent und integer  halten.

Tatsächlich erfährt er aber häufig Argwohn, kleinliche Kontrollen und organisiertes  Misstrauen. Alle psychologischen und soziologischen Fakten beweisen, dass der Mensch unter  Vertrauensbedingungen aufblüht.

Weder Macht noch Geld motivieren Ihren Mitarbeiter
Wenn er sich zu mehr verpflichten soll als zu bloßer Anpassung, braucht er ein Gefühl der  Zugehörigkeit. Gelingt Ihnen das, kontrolliert Vertrauen besser als jedes Kontrollsystem.

Tipp:  Denken Sie nach: Wirken Ihre Mitarbeiter manchmal ideen- und antriebslos? Enttäuschen sie in  ihrer Leistung? Dann kann es daran liegen, dass sie den Eindruck haben, ihnen werde nicht  vertraut und darum nichts zugetraut. Diese Einsicht kann Ihrem Unternehmen einen gewaltigen Schub geben - weil motivierte Mitarbeiter bessere Leistungen erbringen und sich auch wieder trauen, ihre Ideen sprudeln zu lassen!

Dies allein ist die Voraussetzung, dass Sie mit Ihren Marketingaktivitäten dem Unternehmen erfolgreich bzw. noch erfolgreicher helfen, Geld
zu verdienen.

So erkennen Sie Vertrauensbrüche
Menschen neigen dazu, jenen zu vertrauen, die sich an Vereinbarungen halten. Als Führungskraft  vertrauen Sie darauf, dass beispielsweise eine Agentur termintreu liefert, dass Ihre  Druckunterlagen pünktlich ankommen - oder auch, dass Flugzeuge sich an den Flugplan halten. Ihre Marketingabteilung funktioniert nur dann optimal, wenn sich Ihre Partner und Dienstleister an Vereinbarungen halten.

Und Ihre Mitarbeiter? Ihre Mitarbeiter sind angestellte Dienstleister. Überprüfen Sie, ob Sie selbst die mit ihnen getroffenen Vereinbarungen bisher einhielten. Haben Sie Ihren Mitarbeiter tatsächlich für die Fortbildung angemeldet, die Sie ihm schon lange  versprochen hatten? Oder haben Sie diese Zusicherung vielleicht „an geänderte Bedingungen angepasst“, wie es im besten Managerlatein heute heißt? Sie selbst mögen eine Vereinbarung  für unwichtig halten. Wissen Sie, ob diese für Ihre Mitarbeiter nicht zentral ist?

Wer seine  Versprechen nicht hält, schwächt sich selbst
Eine Abteilung - und ganz besonders die Marketingabteilung! - funktioniert nur, wenn sich alle  Mitglieder an Vereinbarungen halten. Prüfen Sie vorher, vertrauen Sie nachher. Haben Sie einen  neuen Mitarbeiter ausgewählt, werden Sie bald feststellen, dass er anders ist als Sie. Sie haben  vorher alle Alternativen erwogen und  eine Entscheidung für ihn getroffen. Stehen Sie auch dazu. Trauen Sie ihm nun zu, dass er sein  Bestes gibt.

Schalten Sie die Kontrollbürokratie ab
Ohne große Mühe kann man in den Unternehmen ganze Misstrauensabteilungen identifizieren.  Sie verbringen ihre Zeit damit, Leute zu überwachen. Sie überprüfen, ob Angestellte das tun, was  sie sollen. Sie setzen ihre „Opfer“ mit Formularen, Aktennotizen und Vermerken unter  neurotischen Dauerstress.

Tipp: Verzichten Sie auf explizite Kontroll- und Steuerungsmaßnahmen. Schaffen Sie Regularien ab. Lockern Sie Zugangsbeschränkungen. Verzichten Sie auf zusätzliche Reportings. Das sind Signale des Vertrauens.

Vertrauen verpflichtet den Nehmer, etwas zurückzugeben
Wenn Sie vertrauen, dann erzeugen Sie auf der Empfängerseite ein starkes Gefühl der Verantwortung.

Das Ergebnis zählt
Mitarbeiter besitzen einen eigenen Qualitätsanspruch an sich und ihre Arbeit. Vereinbaren Sie  Ergebnisse - und lassen Sie dann jede Person ihren eigenen Weg finden. Wenn Sie vertrauen, dann zählen nur Ergebnisse. Ihre Mitarbeiter sollen sich ihre Arbeit so einteilen, wie es den  Bedürfnissen der externen und internen Kunden am ehesten entspricht.
Wenn Sie als Marketingleiter die „Macht“ dazu haben: Schaffen Sie die Zeiterfassungssysteme  ab! Ein exakt 8-stündiger Bürotag stimuliert innovative Ideen nicht in besonderer Weise!

Tipp: Erst wenn Sie sich abhängig machen von der Leistung Ihrer Mitarbeiter, ist Vertrauen  möglich. Vertrauen heißt, die Möglichkeit des Verrats zu erwägen. Es gibt keinen Widerspruch  zwischen Vertrauen und Misstrauen. Sie sind aufeinander bezogen, bilden ein  Fließgleichgewicht.

Finden Sie ein Maß zwischen diesen „pathologischen“ Polen. Kontrolle ist  Voraussetzung dafür, dass Vertrauen funktioniert. Sie brauchen aber allenfalls ein Mindestmaß  an Sicherung. Gerade so viel, dass die „bösen Jungs“ nicht zu finsteren Taten ermutigt werden -  und sei es, dass die finstere Tat nur darin besteht, nichts oder zu wenig zu tun.

Achten Sie darauf, dass Vereinbarungen gehalten werden
Üben Sie nicht mehr Kontrolle aus als unbedingt nötig. Das Ziel der Kontrolle sollte lediglich  sein, dass Sie auf dem Laufenden bleiben (siehe Seite 6).

Fördern Sie die Gemeinschaft
Ideen brauchen geistigen Freiraum, damit sie entwickelt, vorgeschlagen, ausprobiert, verteidigt  oder zurückgenommen werden können. Deshalb: Fördern Sie das Gemeinschaftliche. Entwerfen  Sie dazu Ihre Abteilung als Problemlösungsgemeinschaft. Richten Sie den Blick auf eine  gemeinsam zu gestaltende Zukunft. Legen Sie als Führungskraft Ihr Schicksal in die Hände Ihrer  Mitarbeiter. Nutzen Sie dazu diese Checkliste:

Checkliste Vertrauen: Verlieren oder genießen Sie es?
Sie verlieren Vertrauen, wenn ...
  • ... Sie gut ausgebildete Kopfarbeiter in Abstimmungsformalien wie ständige Besprechungen zwängen,
  • ... Sie Mitarbeitern eine wichtige Aufgabe übertragen und ihnen dennoch ständig über die Schulter schauen,
  • ... Sie nach scheinbar „rationalen“ Gründen suchen, um jemandem nicht vertrauen zu können,
  • ... Sie den Appell „Vertrauen Sie mir!“ nötig haben.

Sie genießen Vertrauen, wenn ...
  • ... Ihr Mitarbeiter nicht kündigt, weil er spürt, dass er gebraucht wird,
  • ... er zu Ihnen kommt, wenn er etwas abstimmen möchte,
  • ... Sie in schwierigen Situationen die Dinge nicht zur „Chefsache“ erklären,
  • ... Sie Ihre wichtigsten Geschäftsbeziehungen nicht ausschließlich für sich reservieren.
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